So von Blase zu Blase

Auf dem State X besuchten uns Franziska, Laura und Thomas vom Arena-Festival Erlangen. Was sie hier erlebten und warum sie hier waren erzählt uns dieser Text. 

So von Blase zu Blase

Donnerstagnacht kamen wir in Hildesheim an, zu dritt, mit viel zu schweren Rucksäcken und den Bäuchen voller Vorfreude. Man schrieb uns und lud uns und im Nachhinein erfuhren wir, dass erst mal keiner so recht wusste, weshalb da drei Menschen aus Erlangen vom ARENA-Festival kommen wollten. Dawar wohl wie so oft was untergegangen. Nichtsdestotrotz verlief der Empfang wie ausgemacht, höflich, herzlich, wundernett. Der erste Eindruck von Hildesheim, ein schöner. Die erste Nacht, Kuscheln zu dritt.
Bis zum Morgen hatten wir uns dann alle gegenseitig angesteckt (zwei hatten schon bei der Hinfahrt gekränkelt, einer nicht), dementsprechend kam der Freitag ein bisschen schleppend ins Rollen. Aber spätestens als wir an der Domäne ankamen (das mit dem ÖPNV in Hildesheim ist ausbaufähig!), fiel alle Schlappheit erst mal ab. Die Architektur, alles umringt von Feldern, so idyllisch, so abgeschieden. Perfekt um zu versumpfen. Also krempelten wir die Hosen hoch und schritten fleißig voran. Und jetzt, Sonntagabend, schon im Zug zurück gen Heimat, fühlt man sich sehr durchgekaut und ausgespuckt (im positivsten Sinn natürlich; und nicht nur wegen der netten Party am Samstag). Wie schnell das geht, dass man bei so einem Festival ankommt und alles andere links liegen lässt, komplett eintaucht und dann am Ende so plötzlich auf dem Trockenen sitzt und das nächste Jahr schon gleich herbeisehnt. Am besten von einer Blase in die nächste.
Und ich liebe das. Wenn nach so einem Wochenende auf einmal die Realität hereinbricht und man sich plötzlich mit all dem banalen Scheiß konfrontiert sieht, den man jetzt drei Tage lang fleißig verdrängt hat. Aber den Kopf voller neuer Ideen, das Herz voll Tatendruck und vermutlich das Handy auch voller neuer Kontakte. Und ich liebe das wirklich.
Aber es fiel mir schon bei unserem diesjährigen ARENA auf und wurde mir hier in Hildesheim nochmal sehr bewusst. Die beiden Festivals unterscheiden sich auffallend in ihrer Geographie. ARENA im Zentrum Erlangens, in verschiedensten Locations, die angemietet wurden und alle in Laufnähe sind. Das STATE (größtenteils) auf dem Kulturcampus, an den Marginalien von Hildesheim. Worin sich beide auffallend nicht unterscheiden, ist, was außerhalb der Blase passiert. (Dabei kann ich jetzt hauptsächlich von Erlangen reden, aber in Hildesheim schien es mir ähnlich und durch die Abgeschiedenheit fast noch verdeutlicht.) ARENA heißt vier Tage Radau und schlaflose Nächte und besonders der Austausch der Performenden untereinander sowie mit den Zuschauenden. ARENA heißt aber auch mehrmals über diese vier Tage von Passanten schief angeschaut zu werden, weil alle im Team das gleiche T-Shirt anhaben und auf einen Erklärungsversuch Folgendes oder Ähnliches als Antwort zu bekommen: „Ach… ARENA… Und was ist das?…. Performance? Ach, spannend… Zum 27. Mal schon?… Wow… Noch nie gehört…“ Und dann wird man selbst wieder in die Blase zurückgesaugt und alles ist wieder intensiv und bunt und schön.
Ich will gar nicht sagen, dass diese Blasendasein schlecht ist. Eher das Gegenteil. Wie gesagt, ich mag das schon sehr gerne. Und aus dem Grund freue ich mich noch viel mehr, dass wir zum STATE gekommen sind. Weil wir drei, die wir stellvertretend für ARENA da waren, mal aus der Erlanger Blase rausgesteppt und in die STATE-Blase reingeflutscht sind – und dann so liebevoll aufgenommen wurden. Und weil es jetzt eine Kooperation gibt und im Sommer Gesandte aus Hildesheim bei ARENA einfallen*. Damit haben sich ja dann beide Blasen zumindest schon mal ausgedehnt. Und das ist doch vielleicht eine gute Möglichkeit dieser Hermetik entgegenzuwirken und Raum zu schaffen, für neue Einflüsse und Menschen, ohne sich krass zu vermarkten.
Damit schließe ich mal besser ab. Es war mir eine Freude. Und definitiv bis zum nächsten Jahr.

© Thomas Kraft, Franziska Stiefel, Laura Kersten

*Es besteht der Plan, dass es gegenseitige Besuche der Organisator*innen der beiden Festivals gibt, um sich über aktuelle Fragen und Diskurse auszutauschen. Dies ist natürlich von den aktuellen Entwicklungen des State of the Art abhängig. (Nachtrag der Redaktion)