Dazwischen ist Glas: Donnerstag

Ich kriege mit dass das Festival anfängt weil es ein lautes Klatschen aus irgendeiner Richtung gibt und das allgemein ja ein Zeichen dafür ist dass gerade eine Rede gehalten wurde aber blöd ist das ja schon wenn man so einen Beginn gar nicht mitbekommt und sich erstmal zurecht finden muss auf dem Gelände und dann noch versucht in die erste Performance reinzukommen aber die ist da schon voll was ich gar nicht so gut finde weil ich das Gefühl habe hier eher über Performances schreiben zu können als über die Leute zumindest am ersten Tag weil da eigentlich niemand wirklich hier ist und da die Performance voll ist gehe ich dann eben zu einer Vernissage weil es da kostenlosen Wein gibt und dann stehe ich da in einem Raum in einem Container und sehe mich selbst an eine Wand gebeamt und ganz viele andere die dem Künstler zuhören wie er davon erzählt warum exhibiting/ausstellen so aussieht wie es das tut und ich mag es eine Ausstellung zu machen die Ausstellungen an sich reflektiert und in der man sich selbst reflektieren muss als Rezipient was ja sonst nicht so der Fall ist aber hier geht das nicht anders und Lasse Conrad weist mich darauf hin dass man in den Bildern von den Jalousien die Bilder von den Jalousien als Spiegelung wahrnehmen kann und während ich mir die Bilder in dem Bild anschaue sehe ich dass ich mich selbst auch reflektiere und ich finde damit schlägt man bei dem Thema wirklich einen schönen Bogen so wieder zum Thema zurück und das gefällt mir und auch den anderen vom Doku-Team denn wir sind eigentlich gerade alle hier weil sonst ist ja noch nix und worüber will man denn ne Doku sonst machen.

Und dann schaue ich mich um und hoffe mal neue Gesichter zu entdecken habe aber schnell das Gefühl dass nur Leute hier sind die irgendwie selbst zum State gehören und das finde ich merkwürdig aber mir wurde damals auf dem Prosanova auch gesagt dass am ersten Tag immer die wenigsten Leute da sind weil die immer erst an den nächsten Tagen kommen wenn es schon morgens losgeht und das finde ich mehr als verständlich also melde ich mich zur nächsten Performance an und die ist interessant weil es geht um Automatisierungsprozesse in den ersten zwanzig Minuten eben in der Marktwirtschaft aber dann denkst du dir dass diese ganze Sache ja auch automatisiert ist so mit dem Laptop der einfach weiterläuft und das Licht und den Ton steuert ohne dass Max da etwas machen muss weil es eben automatisiert ist und ich denke mir dass ich sowas gerne fürs Schreiben hätte weil es wirkt einfacher aber dann denke ich man muss das ja auch alles programmieren oder so und das ist bestimmt wieder Arbeit aber über Arbeit und Markt lerne ich gerade auch ganz viel und das finde ich spannend also die ersten zwanzig Minuten und einmal lache ich auch weil der Laptop einen guten Witz macht und das finde ich auch ganz schön weil als ich danach raus komme muss ich tatsächlich ganz lange warten bis wieder was passiert und gehe dann eben mit Leonidas in den Dark Room was spannend ist weil die Lichter so schön sind aber wahrscheinlich noch nicht so spannend ist weil noch nicht viele Leute drin waren also sollte man da am Ende nochmal reingehen denke ich mir und sage ich dann auch und merke das ich bereits zwei meiner Getränkemarken verbraucht habe während ich auf die letzte Vorführung warte die ich mir heute anschaue.

Bevor ich zur letzten Performance gehe habe ich noch ein Gespräch über die Selbst-Inszenierung/Darstellung/Profilierung im Theater und in dem Moment finde ich dass alles ganz blöd und rege mich etwas darüber auf denke mir aber jetzt gerade dass das hier wahrscheinlich nix anderes ist und finde mich dann selbst etwas blöd und dann sitze ich in der letzten Performance und wir sind neun Leute aus ganz verschiedenen Bereichen und nicht alle kennen sich unbedingt aber das ist okay weil wir spielen ein bisschen ein Spiel aber mit doch sehr realen und geschichtlichen Fakten und Konsequenzen und wir diskutieren zwei Stunden lang in der Gruppe und treffen Entscheidungen entweder zusammen oder in Kleingruppen aber meistens kommen wir immer wieder zusammen bis auf das eine Mal wo wir uns entscheiden Plakate auf eine Demo mitzunehmen und dann Berlin für vier Tage brennt womit natürlich niemand gerechnet hat aber man es sich ja irgendwie schon denken konnte aber danach habe ich das Gefühl etwas über Gruppenzwang und Demokratie gelernt zu haben und das finde ich gut und auch schön diesen Bildungsaspekt und danach löse ich dann noch meine letzte Getränkemarke ein und mache mich dann schon auf den Weg weil ich ja Morgen früh schreiben und Morgen Mittag wieder zum State muss weil dann wahrscheinlich mehr Leute da sein werden und vielleicht passiert ja mit denen was witziges und ich muss nicht mehr so viel über Performances schreiben.

© Jan Thul